Rückblick

Rückblick Wirtschaftstag der Innovationen

Fotos: Hans-Christian Plambeck und Jens Schicke

Grafic Notes - Auf den Punkt gebracht.

Vielen Dank an Nina Neef Kommunikationsberatung - www.ninaneef.de

Peter Altmaier

 

Victoria Espinel

 

 

WTI: 1. PANEL

 

Auf dem Wirtschaftstag der Innovationen diskutierte der Wirtschaftsrat unter dem Motto „Wertschöpfung im digitalen Zeitalter“: Zahlreiche Gäste wie Kanzleramtsminister Peter Altmaier und EU-Kommissar Günther Oettinger, Unternehmensvertreter und Start-up-Entrepreneure tauschten ihre Gedanken zum digitalen Wandel von Wirtschaft und Gesellschaft aus. „Ein wirtschaftlich erfolgreiches Deutschland muss Vorreiter der Digitalisierung in Europa und der Welt werden, um im internationalen Wettbewerb um die klügsten Köpfe zu bestehen und zukunftsfähig zu sein“, hob Generalsekretär Wolfgang Steiger zum Auftakt der Veranstaltung hervor. „Ziel muss es sein, den Gründergeist in Deutschland neu zu beleben.“ 

 

Peter Altmaier MdB, Chef des Bundeskanzleramtes und Bundesminister für besondere Aufgaben im Bundeskanzleramt, arbeitete in seiner einleitenden Rede die Voraussetzungen für den „Aufbruch in die Gigabitgesellschaft“ heraus: „Im Hinblick auf Latenzzeit, Stabilität und Netzabdeckung werden die Netze so ausgebaut, dass Deutschland im weltweiten Maßstab führend wird“, kündigte Altmaier an. 

 

Victoria A. Espinel, Präsidentin und CEO, BSA – The Software Alliance, hob hervor, dass die Digitalisierung das Leben der Menschen völlig verändert hat. „Daten revolutionieren die Art wie wir arbeiten, wie wir lernen und wie wir unsere Freizeit gestalten.“

 

Bei der Abendveranstaltung unter dem Motto „Old meets new Economy“ stand zunächst die Automobilindustrie auf der Agenda. „Bis zum echten autonomen Fahren wird noch einige Zeit vergehen, vor allem wegen der Akzeptanz der Menschen“, prophezeite Wolfgang Bern, Geschäftsführer, Local Motors GmbH, Berlin. Peter Schwarzenbauer, Mitglied des Vorstandes, BMW AG, verwies auf die disruptiven Wellen, die die Branche im Zeitalter der Digitalisierung erfassen: „Ich bin seit 30 Jahren in der Autoindustrie und habe es noch nie so spannend erlebt wie heute.“ Benjamin Rohé, Managing Director, GTEC - German Tech Entrepreneurship Center: „Wir werden künftig mehr Zeit im Auto gewinnen, um produktiv zu sein.“ 

 

Im weiteren Fortgang des Abends befassten sich die Fachleute mit dem Finanzsektor. „Die Digitalisierung verändert alle Wirtschaftsbereiche, aber die Banken werden davon in ganz besonderer Weise betroffen sein“, stellte Corinna Visser, Chefredakteurin, Berlin Valley, NKF Media GmbH, fest. „Wir wurden von Banken ganz lange nicht auf Augenhöhe begrüßt. Das ist heute anders, weil wir bessere Talente als die Banken bekommen“, berichtete Ramin Niroumand, Co-Founder & Managing Director, FinLeap GmbH. „Mit dem Eintritt von Fintechs und Start-ups in die Bankenwelt hat sich für einige Finanzinstitute das Leben spürbar erschwert“, weiß Željko Kaurin, Mitglied des Vorstands, ING-DiBa AG. „Die Postbank arbeitet mit vielen Start-ups zusammen. Für uns ist das kein Gegeneinander, sondern ein Miteinander“, ist Susanne Klöß, Mitglied des Vorstands, Deutsche Postbank AG, überzeugt. 

 

Am nächsten Tag stand im BCC Berlin zunächst das Thema „Digitale Transformation: Ein Update für die Soziale Marktwirtschaft“ im Mittelpunkt. „Wir müssen mehr über die Chancen als über die Risiken der Digitalisierung reden“, forderte Sascha Schubert, Vorstandsmitglied, Bundesverband Deutsche Startups e.V. „Wir brauchen ein viel besser funktionierendes Ökosystem für Start-ups“, unterstrich Dr. Severin Löffler, Mitglied der Geschäftsleitung für Zentral- und Osteuropa, Microsoft GmbH und Vorsitzender der Bundesfachkommission Internet und Digitale Wirtschaft im Wirtschaftsrat der CDU e.V. „Das richtige digitale Geschäftsmodell macht Güter und Dienstleistungen nicht nur billiger, sondern es trägt auch zu einer Qualitätsverbesserung bei“, erläuterte Dr. Torsten Oelke, Executive Chairman, CUBE GmbH. Den Sicherheitsaspekt digitaler Geschäftsprozesse rückte Stefan Sulistyo, Mitgründer und CCO von Alyne in den Fokus: „Jedes fünfte mittelständische Unternehmen in Deutschland war schon Opfer einer Cyber-Attacke.“ Janina Mütze, Mitgründerin von Civey, umriss das Geschäftsmodell des Start-ups: „Civey kann innerhalb von drei Stunden repräsentative Umfragen ausliefern.“ 

 

Unter der Überschrift „Ökosystem für Startups: Mehr Wagnis, zu wenig Kapital?“ diskutierten Start-ups, Politiker und etablierte Unternehmer, wie die ordnungspolitischen Rahmenbedingungen für Unternehmensgründer verbessert werden können. Jens Spahn MdB, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen, hielt fest: „Geld ist eigentlich genug da. Die Frage ist nur: Wie schaffen wir die Instrumente, dass dieses Geld auch in Wagniskapital fließt?“ 

 

„Mitarbeitern von jungen innovativen Unternehmen sollte man für eine bestimmte Zeit die Einkommensteuer erlassen“, schlug Frank Gotthardt, Vorsitzender des Vorstands, CompuGroup SE, vor. Auf diese Weise könne Deutschland  besser Talente anziehen. Florian Nöll, Vorsitzender des Bundesverbandes deutsche Startups e.V., stellte fest: „Start-ups in Deutschland sind zu stark auf den Staat oder ausländisches Kapital angewiesen.“ Joachim Schönke, All Ventures Group UG, machte folgende Rechnung auf: „Wenn der Mittelstand nur drei Prozent seines Vermögens in Start-ups investieren würde, dann könnte er den gesamten deutschen Start-up-Markt für 30 Jahre trockenlegen.“ Auch das Geschäftsmodell von Companisto wurde erläutert: „Wir versuchen, die Begeisterung für Innovationen und Start-ups einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.“ Julia Derndinger, Gründertrainerin, zollte dem Wirtschaftsrat Respekt für die Veranstaltung: „Ich bin begeistert darüber, wie gut es dem Wirtschaftsrat gelungen ist, etablierte Unternehmen und Start-ups zusammenzubringen. Das haben schon andere versucht, aber so potent besetzt war noch keine Veranstaltung.“  

 

Auf verschiedenen Panels bearbeiteten im Verlauf des  Nachmittag zahlreiche Fachleute die wichtigsten Themenfelder des digitalen Wandels in der Tiefe. Auf Panel 1: „Mit Highspeed statt Schneckentempo“ gingen die Gäste des Wirtschaftsrates der Frage nach, wie der Sprung in die Gigabitgesellschaft gelingt. „50 Mbit/s sind das Ziel für die Grundversorgung. Nice to have, aber schon heute ziemlich zu kurz gesprungen“, kritisierte

 

Katherina Reiche, Hauptgeschäftsführerin, Verband kommunaler Unternehmen e.V. (VKU), mit Blick auf die Ziele der Bundesregierung zum Breitbandausbau bis 2018.„Deutschland ist beim Ausbau der Glasfasernetze leider nur Nummer 26 in Europa“, merkteUwe Nickl, Geschäftsführer, Deutsche Glasfaser Holding GmbH, an. „Die geringe Nachfrage nach hohen Bandbreiten wird auch durch die Geiz-ist-Geil-Mentalität vieler Kunden geprägt“, berichtete Bernd Thielk, Geschäftsführer, willy.tel GmbH, aus dem unternehmerischen Alltag eines regionalen Telekom-Anbieters in Hamburg. „Eine gemeinsame Strategie für Gigabitnetze ist wichtig. Solange wir weiter Kupfernetze fördern, haben wir kein gemeinsames Ziel“, kritisierte Dr. Christoph Clément, Mitglied der Geschäftsleitung, Vodafone GmbH, Vorsitzender der Bundesarbeitsgruppe Telekommunikation im Wirtschaftsrat der CDU e.V. „Wir brauchen Infrastruktur- und Technologiewettbewerb. Zu glauben, ein Glaserfasernetz ist genug, ist völliger Quatsch“, sagte Dr. Wolf Osthaus, Mitglied der Geschäftsleitung, Unitymedia GmbH. „Wir wären schon froh, wenn wir auf dem Land und in den Städten eine gute LTE-Abdeckung hätten, damit kämen wir schon mal sehr weit“, sagte Michael Bültmann, Geschäftsführer, Here Deutschland GmbH. „Unsere Kunden kommen schneller und mit weniger Infrastruktur zu einer sicheren Cloud“, so Frank Bruegmann zum Geschäftsmodell der Cloudplan GmbH. Robert Koning, SmartMakers GmbH: „Wir bauen individuelle IoT-Netzwerke für Stadtwerke, Städte und Energieversorger auf.“ 

 

In Panel 2: „Industrie im digitalen Wandel“ forderte Dr. Silja Baller, World Economic Forum, einen „Wandel in der Wahrnehmung der Digitalisierung“ ein. „Die Industrie ist jeden Tag mit der Digitalisierung konfrontiert. Unsere unternehmerische Aufgabe ist es, Veränderung als Chance zu begreifen“, betonte Hans-Georg Krabbe, Vorsitzender des Vorstandes, ABB AG. „Wir müssen dafür sorgen, dass die Unternehmen, die die Chancen der Digitalisierung noch nicht erkennen, diese besser kennenlernen können“, sagte Alf Henryk Wulf, Vorsitzender des Vorstands, GE Power AG. „Viele Mittelständler können ihr Absatzgebiet durch die Digitalisierung gigantisch erweitern“, so Peter Franz Schmid, Geschäftsführer, Wer liefert was? GmbH. „Wir können durch die Digitalisierung mehr Menschen in Arbeit bringen. Allerdings wird es auch eine Polarisierung auf den Arbeitsmärkten geben“, zeigte sich Hansjörg Durz MdB, Ausschuss Digitale Agenda im Deutschen Bundestag, überzeugt. 

„Wir versuchen, ein Ökosystem aufzubauen, um die Zukunftsthemen der Digitalisierung in neuen Varianten und Organisationsformen voranzutreiben“, berichtete Thomas Hahn, Corporate Technology, Siemens AG. „Mit dem Algorithmus Orion können wir weltweit 10 Millionen Gallonen Sprit pro Jahr sparen“, erläuterte Nico Nauen, Vice President UPS Europe, Vertrieb High Tech und Retail. „Die Mobilität verändert sich durch die Digitalisierung grundlegend, weil Mobilität und Dienstleistungen zusammenwachsen“, fasste  Dieter Althaus, Vice President Governmental Affairs Magna Europe, Ministerpräsident a. D., zusammen. 

„Der teuerste Faktor in der industriellen Produktion ist menschliches Versagen“, konstatierte Thorsten Gröne von Start-up Cevotec GmbH.„Als Start-up muss man sehr schnell sein“, erklärte Jens Müller, relayr GmbH. 

 

Panel 3: Gesünder durch Informationstechnologie? ging der Frage nach, wie die Vernetzung das Gesundheitswesen verändert. „Wir sehen mit der Digitalisierung eine große Chance, die Vernetzung und Zusammenarbeit aller Akteure im Gesundheitswesen zu verbessern“, so Lutz Stroppe, Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit. „Wenn uns die Digitalisierung bei der Entbürokratisierung hilft, wäre das ein großer Vorteil“, sagte Prof. Dr. med. Dietrich H.W. Grönemeyer, Mediziner, Medizinunternehmer, Autor und gemeinnütziger Stifter. „E-Health unterstützt den Heilungsprozess und hilft enorm, Geld und Nerven zu sparen“, weiß Istok Kespret, Geschäftsführer, HMM Deutschland GmbH, zu berichten. „Es wird jedoch immer Menschen geben, die einen persönlichen Kontakt mit ihrem Arzt haben wollen. Andere werden ihre Symptome künftig lieber einer App anvertrauen“, prophezeite Thomas Ballast, Stellvertretender Vorsitzender des Vorstands, Techniker Krankenkasse. „Wir können die Digitalisierung nicht aufhalten - und sollten deshalb den Menschen helfen, sich zurechtzufinden“, schlug Max Müller, Vorstand, DocMorris, vor. 

„Wir tun uns im Gesundheitswesen keinen Gefallen, wenn wir im Rahmen eines politischen Konsens immer nur den kleinsten gemeinsamen Nenner suchen“, sagte Dr. Thomas Wolfram, CEO, Asklepios Kliniken GmbH. Dr. Frank Wartenberg, Vorsitzender der Geschäftsführung, IMS Health, mahnte: „Wir dürfen über das Thema Datenschutz nicht das Thema Datenqualität vergessen.“ 

In zwei Pitches erläuterten Startups aus dem Gesundheitswesen ihr Geschöftsmodell: „Moodpath ist ein interaktives Screening für psychische Gesundheit und erkennt Symptome einer Depression. Unsere App wird extrem intensiv genutzt“, erklärte Felix Frauendorf von Aurora Health.„Unser Ziel ist es, im Bereich der psychischen Störungen die Versorgung zu verbessern“, berichtete Nora Blum von Selfapy. 

 

Panel 4 drehte sich um die Frage: „Smarte Energie – Innovationstreiber der Energiewende?“ 

„Die Digitalisierung eröffnet uns historische Chancen in Deutschland“, zeigte sich Maximilian Viessmann, Chief Digital Officer, Viessmann Werke GmbH & Co. KG, überzeugt. „Die Energiewende wird nur funktionieren, wenn alle Teilnehmer sehr innovativ damit umgehen“, betonte Dr. Dirk Biermann, Geschäftsführer, 50 Hertz Transmission GmbH. „Smart Grid und Smart Metering sind Schlüsselfunktionen für die Energiewende im Strombereich“, merkte Frank Hyldmar, Vorsitzender der Geschäftsführung, Techem GmbH, an. 

„Wir brauchen in Deutschland mehr Neugier und Bereitschaft zu neuen Geschäftsideen“, forderte Dr. Frank Höpner, Mitglied der Geschäftsleitung, ENGIE Deutschland AG. „In Deutschland gibt es zu wenige Plattformgeschäfte, die exponentielles Wachstum erlauben“, monierte Dr. Karsten Wildberger, COO, E.ON SE. „Wir werden künftig sehr viele dezentrale Energiespeicher in Deutschland haben“, glaubt Torsten Seib, Geschäftsführer, Volterion GmbH. „Wir sammeln jeden Tag Muster für den Stromverbrauch, um immer bessere Einsparvorschläge machen zu können“, so Urte Zahn, COO zur Geschäftsidee von SmartB. 

„Wir müssen den Strom so flexibilisieren, dass er in den Sektoren Strom, Wärme und Mobilität genutzt werden kann“, schlug Barbara Meyer, Geschäftsführerin, Rainmaking, vor. In der kommenden Legislaturperiode wollen wir den Blick stärker auf den Wärmemarkt richten“, erklärte Dr. Georg Schütte, Staatssekretär, Bundesministerium für Bildung und Forschung. 

 

Im letzten Teil der Veranstaltung befasste sich SAP-Vorstand Luka Mucic in seiner Rede mit dem transatlantischen Datenverkehr:„Aus Sicht von SAP ist eine enge Kooperation zwischen Europa und den USA unabhängig von den jeweiligen politischen Konstellationen absolut unerlässlich.“ 

 

Günther H. Oettinger, EU-Kommissar für Haushalt und Personal, wies auf die europäische Perspektive für eine Stärkung der Innovationskraft hin: „Wenn uns der Kulturwandel gelingt, dann haben wir eine Chance, dass Europa seine digitale Souveränität erringt und dann auf Augenhöhe mit den USA den Weltmarkt prägen kann.“ 

 

Eugene Kaspersky, Gründer und CEO Kaspersky Lab, sprach über Sicherheitsprobleme als elementare Herausforderung in der digitalen Wirtschaft. „Alle Betriebssysteme, die wir heute nutzen, sind aufgrund ihres Designs unsicher.“ 

 

Unter der Überschrift „Des Königs neue Kleider – Incubators, Accelerators und Company Builder“ stellte Ludwig Preller, CEO, GERMANTECH DIGITAL, abschließend fest: „Die Innovation selber ist das wichtigste. Und wenn ich die nicht hinbekomme, werde ich als Unternehmen nicht bleiben.“